Ausgabe 7

Die große Verunsicherung ist allgegenwärtig. Wir schwimmen im Ozean aus KI und Digitalisierung. Aufklärung muss her. Orientierung. Jetzt. Und da sind wir wieder. Kant. Reine Vernunft. Kritik. Das hilft. Möglicherweise.
Was können wir denn wissen? Informationen im Überfluss. Wahrheit oder Falschheit – wer weiss es schon? Fake News, algorithmische Filterblasen und KI-generierte Texte, Fotos, Stimmen, Gesichter. Bald auch fake humans zum Anfassen. Zugang zu Wissen und Daten ist nur die Hälfte. Nachdenken! kritische Medienkompetenz. Fähigkeit, Quellen zu prüfen. Wie sagte Kant? „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Ok. Verstand brauchen wir. Mut. Sozusagen digitale Selbstverteidigung.
Und was soll ich tun? Handeln ist ambivalent. Einerseits eröffnet Technologie Chancen. Super. Dann aber auch Überwachung, Abhängigkeiten, Ungleichheiten, Manipulation. Das kantische Prinzip des kategorischen Imperativs fordert: Handle so, dass es als allgemeines Gesetz gelten könnte. Datenschutz achten, verantwortungsvoll kommunizieren, KI fair einsetzen und digitale Werkzeuge so nutzen, dass sie der Menschheit dienen. Amen. Musik. Aber das alles mit dem Menschen wie wir ihn kennen. Das wird knapp!
Ok – aber was darf ich denn hoffen? Die meisten haben doch Angst. Globale Vernetzung, medizinischer Fortschritt und kreative Entfaltung! Klasse! Schöne neue Welt! Schatten irgendwo? Vielleicht. Kontrollverlust, Arbeitsplatzunsicherheit, Verdummung, Vereinsamung und ökologische Katastrophen, die ganze Nummer. Bitte schön. Kant? Für ihn war Hoffnung eine Verbindung von Ethik und Religion: Die Aussicht auf eine sinnvolle Weltordnung. Sinnvoll. Dummerweise auch noch relativ. Hoffen, dass wir digitale Werkzeuge für eine gerechtere, nachhaltigere Welt einsetzen – das wird jetzt aber schon Arbeit für uns Menschen. Für uns Menschen?
Aber was ist der Mensch? Im digitalen Zeitalter. Künstliche Intelligenz, Transhumanismus und digitale Avatare? Wer ist eigentlich Mensch und wer Kopie? Oder gilt nicht die Kopie auch als Original?
Der Mensch erscheint jedenfalls nicht mehr nur als „Vernunftwesen“ – war er das überhaupt jemals? Mensch und Vernunft klingt schon paradox. Also doch Hybrid aus biologischer, technischer und sozialer Existenz? Und was sagt der Humanismus? Der Mensch darf niemals nur Mittel, sondern muss stets Zweck an sich sein. Die Würde des Menschen auch digital unantastbar zu wahren. Das reicht für eine ganze Epoche Neue Digitale Aufklärung. Los gehts. Es gibt keine sinnvolle Alternative zum Optimismus.
- Dr. Till Weishaupt
Ausgabe 6

Wie wollen wir eigentlich handeln? Authentisch, wahrhaftig, verantwortlich? Wir leben in einer Zeit von zunehmend automatisiertem, algorithmus-getriebenem Handeln. Smartphone-verdrahtet. KI-gesteuert. Ist das noch Empfehlung und Hilfe oder doch schon Manipulation? Reiner Reflex? Wer merkt das noch? Vieles wird möglich. Vieles wird verlernt. Wer schreiben lässt, verlernt schreiben. Oder gibt vor, es zu können, und hat es nie gekonnt. Nicht verstanden, nicht durchdrungen. Die digitale Erstarrung der Gehirnzellen droht. Reflex auf Reflex.
Aber stopp.
Wie wollten wir noch handeln? Authentisch? Wahrhaftig? Verantwortungsvoll? Wer denkt hier kritisch mit? Ist da noch ein Mensch hinter der Maschine? Wer steht für das eigene Handeln verstehend ein? Da wären wir dann bei der Verantwortung. Der Verantwortung eines jeden Menschen für die Wirkung seines Handelns. Dafür ist Durchdringen und Verstehen des Handelns Grundlage.
Und welche Ziele wollen wir erreichen? Dann wäre da das Nachdenken über die Konsequenzen unseres Handelns. Nehmen wir uns die Zeit. Vielleicht mal raus. In den Wald. Hinsehen und staunen. Still sein. Bewusst sein. Nachdenken. Mal Eulen suchen.
- Dr. Till Weishaupt
Ausgabe 5

Das Feuer aus dem Blitzeinschlag mag Angst gemacht haben. Aber dann war da das Lagerfeuer. Der Dolch auf dem Tisch – wo ist das Brot zum Messer? Der donnernde Zug wurde als Teufel auf
Rädern gefürchtet, die ersten Automaten verflucht. Sie kennen die Geschichte.
Und nun Künstliche Intelligenz. Nennen wir es hochkomplexe, hochleistungs-datenverarbeitende Systeme mit Selbstlernfähigkeiten – das Magazin in Ihren Händen ist voller Varianten, Perspektiven und Anwendungen von KI.
Doch zurück zur Ambivalenz der Gefühle. Irgendetwas zwischen Hoff- nung, Angst und Fatalismus. So jedenfalls sagt es die Empirie über die Gefühlslage beim Thema „KI“.
Und dann ist da eben auch die Hoffnung auf Entlastung, Verbesserung von Lebensqualität, exponentieller Entfaltung von Fortschritt und Kreativität. KI sozusagen als Kitchen-Aid oder Hydraulik-Bagger des Alltags. Meine Röntgenbilder lasse ich gerne von einem nicht vergesslichen Dr. KI beurteilen. Also doch was Positives. Sozusagen Aufklärung auf Speed. Da wird einem natürlich auch mal schwindelig. Keine Frage. Wir sind halt auch nur Menschen. Genau hinsehen entschleunigt da un- gemein: sozial-emotionale und kritisch-reflexive Einordnung. Wissen und Kompetenz baut diffuse Ängste ab. So ist es ja mit jeder Technologie: souveräner Umgang, Vermittlung von Fähigkeiten. Kinder, die mit Messern schnitzen dürfen, schneiden sich am seltensten. Klingt banal, ist aber so. Verantwortung ist das Thema.
Und dennoch, ja, die Niedrigschwelligkeit der KI-Technologien ist neu. Jeder kann heute fast alles mit der schönen neuen Welt aus den KI-Apps fürs Smartphone machen. Da geht schnell ein Post um die Welt und macht den Deepfake noch tiefer.
Zurück zur Angst: „In dem Moment, wo die Technik von Menschen verstanden werden kann, gilt diese als weniger magisch und gegebenenfalls weniger angsteinflößend“, so eine aktuelle Studie zu KI. Aus dieser Perspektive könnte sich die Menschheitsgeschichte der Aufklärung, Wissenschaft und Forschung als kollektive Angstbewältigung lesen lassen. Entzauberung. Passt irgendwie. Kurz gesagt. Bil- dung hilft auch hier. Gleich mal nachprüfen. Vielleicht mit KI-APP?
- Dr. Till Weishaupt
Ausgabe 4

Ein französischer Kinofilm: Der Bürgermeister ist von der Routine seines Terminkalenders ausgelaugt und engagiert eine Philosophin. Einzige Aufgabe? „Geben Sie mir Denkanstöße. Ich komme nicht mehr zum Denken.“
Wann hatten Sie zuletzt Zeit zum Denken? Immerhin haben wir nun mehr Zeit zum Denken. Dank KI, Computer und Smartphone. Gewaltige Datenmengen werden verarbeitet. Routinearbeiten waren gestern. Glückwunsch! Aber das Ergebnis? Wir denken noch weniger als zuvor. Und verwechseln Denken mit hektischen Reflexen oder angstgesteuerten Reaktionen auf vermeintliche Wirklichkeiten. Dabei ist schon jede Wirklichkeit nur Illusion und besonders zum Zeitpunkt des Erlebens schwer zu deuten.
Die Zeit der Reformation wurde möglicherweise von der Mehrheit nicht als solche erlebt. Die Gegenreformation dafür umso brutaler, vielleicht.
Und heute? Die Zeit der verheißungsvollsten Aufklä- rung! Wie bitte? Im Angesicht von Krieg, Grausamkeit, hemmungsloser Gier und Dummheit? Also doch Zweifel an der Aufklärung. Mit Sicherheit also eine Zeit schwerster Verwerfungen. Und Zahlzeit für die Handlungen der letzten Jahrzehnte. Aber auch Untergang? Nein, es ist Umbruch – den wir als Katastrophe erleben – wir aber zugleich etwas hinter uns lassen. Vielleicht. Hoffentlich.
Vielleicht ist unser Verstand zu klein, sind die vergänglichen Potentaten zu scheingroß, die Egoismen zu heftig, ist die Brüderlichkeit (gern auch Schwesterlichkeit) zu wenig. Also doch wieder Zweifel? Keine Aufklärung ohne Zweifel: Luther ohne Zweifel? Descartes ohne Zweifel? Undenkbar! Verbinden wir mit dem Zweifel statt Unsicherheit lieber Denkzeit. Denkanstoß. Der Mensch denkt. Hoffentlich.
- Dr. till Weishaupt
Ausgabe 3

Politisches Erdbeben. Die Kleinen ganz groß. Die Großen ganz klein. Da sind wir ja mitten im Tao Te King. Wandel. Schöpferische Zerstörung? Für die Optimisten unter uns: Wir haben ja
schon eine Menge zerstört, Flüsse, Seen, ganze Landstriche. Jetzt beginnt dann wohl die Schöpfung. Muss ja, sonst ist Ende, jedenfalls für uns. Alles grün, bitte. Wenigstens im Sinne unseres Planeten. Weniger Mittelalter, mehr Renaissance. Weniger Kirche, mehr Spiritualität. Weniger Ausbeutung im Namen des Missionierens. Eigenverantwortung hilft. Mehr Rücksicht und intelligente Lösungen. Und die ewigen Uneinsichtigen? Die Leugner? Klimawandel gibt’s nicht? Okay, die Generation der Besitzstands- wahrer lebt noch. Aber die stirbt aus. Nur die Dummheit nicht, leider. Die Optimisten glauben an die Kraft des Wandels und der Erneuerung. Lernen gehört dazu. Wir glauben jedenfalls – wenn man hier von glauben schreiben kann – an die Intelligenz auf diesem Planeten.
- Dr. Till Weishaupt
Ausgabe 2

Ende als Anfang? Anfang vom Ende? Vom Ende der Unsterblichkeit? Schöne neue Welt? Schöne neue digitale Welt? In jedem Fall digital transformiert. Aber was ist das genau? Heute wird alles digital transformiert. Alles. Dabei denkt jeder an etwas anderes: Papierschilder zu interaktiven Touchscreens? Waschmaschine zum „Smart Home Device“? Aktenschränke zum papierlosen Büro? Konferenzreisen zu Video-Hybrid-Veranstaltungen? Lesefibel zu iPad? Virtuelle Events sind auch groß in Mode. Ach ja – Homeoffice nicht vergessen! Besser Mobile Work. Jetzt sind wir ja alle Remote. Alles Digitale Transformation? Vielleicht. Sicher aber noch viel mehr.
Digitale Transformation wird zur gesellschaftlichen Transformation. Da, wo wir es kaum merken. An den Fundamenten. Erkennen wir kaum. Wir sehen die Bäume, aber den Wald nicht. Einzig riechen wir den Waldbrand. Gesellschaftliche Transformation? Wir sind mitten drin: Handyvideos und TikTok zum Beispiel. George Floyd, ein Handyvideo, Social Media, eine Welle, ein Sturm. Black Lives Matter! Auch das ist Digitale Transformation.
Alle Bereiche sind erfasst. Arbeiten, Wohnen, Gesundheit, Mobilität, Finanzen. Governance und politische Systeme fangen gerade an zu schwanken. Wahlen, Facebook, Twitter und Co.? Auch Digitale Transformation. COVID-19 ist da nur Brandbeschleuniger und Seismograph zugleich. Und dazu Zentrifuge: Ängste? Wahnsinn? Jetzt erst recht! Jede Saat hat ihre Zeit und ihren Nährboden. Vieles wird offengelegt. Nicht alles ist klar. Hochzeit für Theorien. Der Mensch lebt ungern mit Chaos. Schrecklich – wir lieben doch so die Kontrolle. Unsicherheit gehört dummerweise zum Wandel. Neuausrichtung auch. Das machen übrigens auch wir. Wir von der Agentur ad modum richten uns immer wieder neu aus. Neue Chance. Neues Lernen. AR? VR? XR? Hybrid? Nach dem ersten Hype jetzt die Anwendung. Neue Konzepte? Wir arbeiten daran. Orientierung, neue Wege, neue Lösungen sind die Forderung der Stunde.
Ach ja, zum Schluss noch ein Wort dazu – bei allem Ernst der Lage: Der Blick in die Geschichte hilft. Mega Epochenwechsel auf Speed, ja klar. Trotzdem, weniger Panik und Alarmismus, mehr Mathematik und Meditation. Mehr Mut zum Wandel. Transformation ist Wandel.
Und sonst so? Von dem lernen, was wir über die letzten Jahre zerstören? Natur? Insekten? Zum Beispiel Metamorphose. Ist schon beeindruckend. Am Ende fliegt der Schmetterling. Loslassen. Wandel. Aufbruch. Ein Optimist, ein glücklicher mit Sicherheit!
- Dr. till Weishaupt
Ausgabe 1

Sie sind der schöne Beweis! Sie haben sich entschieden, nach einem auf Magno-Natural-Papier gedruckten Magazin zu greifen. Und das in Zeiten digitalen Wahnsinns. Glückwunsch, Sie leben noch! Die physikalischen Gesetze wirken noch! Die biochemischen auch! Sie haben 178 Seiten zum Thema Medientechnologie hinter sich (oder vor sich). Wir haben Sie mit Begriffen wie Augmented Reality, Virtual Production, Artificial Intelligence, Blockchain oder Cloud Solution traktiert. Und hoffentlich begeistert. Denn wir wollten Ihnen neue, vielleicht unbekannte Welten eröffnen. Welten, in denen Triebwerke virtuell gebaut und Filme begehbar gemacht werden, in denen Algorithmen Bilder malen und Drehbücher schreiben. Diese Zukunft hat längst begonnen. Und wir sind
mittendrin. Der Prozess ist unumkehrbar. Was macht das mit uns? Wie viel Verantwortung wollen wir abgeben? Oder werden wir vielleicht längst gelebt? Von den Maschinen und Algorithmen, die wir selbst erfunden haben…? Die Digitalisierung stellt uns vor ganz neue moralische und gesellschaftspolitische Fragen.
Stephen Hawking sagt: „Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz könnte entweder das Schlimmste oder das Beste sein, was den Menschen passiert ist.“ Ich bin optimistisch. Medientechnologie soll immer nur ein Instrument sein. Verlockend, keine Frage. Aber sie entbindet uns nicht der Pflicht, zu denken. Der Mensch, der dem GPS mehr vertraut als dem eigenen Blick aus dem Autofenster, ist die Ausnahme. Unser Verstand sagt uns, dass wir Verantwortung übernehmen müssen. Wenn jeder an sich denkt, ist eben nicht an alle gedacht. Ich habe jedenfalls an Sie gedacht, und wünsche Ihnen viel Freude mit der ersten Ausgabe von dem Magazin UNFOLD.
- Dr. Till Weishaupt


Neueste Kommentare