UND SIE ATMET DOCH NOCH 

UND SIE ATMET DOCH NOCH 

Die Satelliten des Copernicus-Programmssind mit modernsten Kamerasystemen ausgestattet. Sie liefern Bilder in unterschiedlichen Wellenlängenbereichen und ermöglichen die Erstellung von Zeitserien

Mit 28.000 Kilometern pro Stunde kreist die Internationale Raumstation ISS um die Erde. In der Regel befinden sich drei Astronaut*innen an Bord, die bis zu sechs Monate im All leben und dort zum Nutzen für uns auf der Erde wissenschaftliche Experimente durchführen. Dieser am höchsten gelegene Arbeitsplatz der Menschen verfügt über die beste Aussicht: Von der „Cupola“ aus, dem Beobachtungsturm auf der ISS, ist die Erde von oben in ihrer ganzen Schönheit, aber auch in ihrer Verletzlichkeit für die Crew sichtbar. Seit Jahrtausenden blicken die Menschen gen Himmel, beobachten Sterne und deren Konstellation. Die andere Perspektive, der Blick auf die Erde, ist und war bisher nur wenigen vorbehalten.

Während der NASA-Mission „Apollo 8“ ist 1968 das Foto „Earthrise“ von William Anders entstanden. Es zeigt den Erdaufgang vom Mond aus. Ein Bild, das nicht nur Teil des kulturellen Gedächtnisses geworden ist, sondern vor allem einer breiten Öffentlichkeit die Fragilität unserer Heimat vor Augen geführt hat. Die Erde: ein kleiner blauer Ball in den Weiten des Weltalls.

Seit Beginn des Raumfahrtzeitalters im vergangenen Jahrhundert wächst die Zahl von Satelliten stetig. Sie ermöglichen durch ihre unterschiedlichen Anwendungen erst unseren Alltag in der heutigen Form. Aber vor allem bieten sie uns eine neue Sicht auf die Erde. Moderne Kamerasysteme auf Satelliten zeigen unsere Heimat in unterschiedlichen Wellenlängenbereichen – vom sichtbaren Spektrum bis Infrarot, von multispektral bis hin zu Radar. Aus dem All können wir mit Hilfe der gewonnenen Daten unseren Planeten erkunden, analysieren und verstehen. Die Satellitendaten kennen keine Grenzen. Sie liefern verifizierte Informationen unserer Erde und von den Veränderungen auf ihr, und sie zeigen: Der Klimawandel ist echt! So kann die Raumfahrt Antworten auf die Frage geben: „Wie sehen die Umwelt- und Klimaverhältnisse in den kommenden Jahren aus?“ Gleichzeitig legt die Raumfahrt das Fundament für Präventionsmaßnahmen zum Schutz der Erde.

„Der Mittelpunkt der Erde ist nicht der Mittelpunkt der Welt“

Nikolaus Kopernikus (1473 – 1543), deutscher Astronom

Bereits in den 1970er Jahren haben die Erdbeobachtungssatelliten der NASA namens „Landsat“ Bilder aufgenommen, die heute zur Erstellung von Zeitserien genutzt werden. Das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus, das seit 2014 in Betrieb ist, stellt dafür satellitengestützte Informationen zur weltweiten Umweltüberwachung zur Verfügung.
Durch die Kombination der Satellitenbilder und deren Analyse ist – über den Blick in die Vergangenheit und in Verbindung mit aktuellen Informationen – eine Vorausschau möglich. Diese Daten und Zeitserien geben Aufschluss über die Veränderungsprozesse auf unserem Planeten. Sie zeigen eindrücklich die Gefahren durch die globale Erwärmung – schmelzende Eisberge, austrocknende Wasserflächen –, aber sie führen uns auch vor Augen, was passiert, wenn natürliche Feuchtgebiete an die Landwirtschaft verloren gehen. Durch diese Beobachtung des globalen Wandels können Gegenmaßnahmen erarbeitet beziehungsweise politische Entscheidungen vorbereitet werden.

Die Satelliten aus dem Copernicus-Programm tragen jeweils den Namen Sentinel – englisch für Wächter – und haben unterschiedliche Anwendungsgebiete. Sentinel-2 analysiert zum Beispiel die Landbedeckung und die Landnutzung. Sentinel-4 überwacht die Atmosphäre, und damit werden wir wissen, „was die Erde atmet“. Er erfasst Treibhausgase, Luftqualität, Ozon, luftverunreinigende Partikel und Solarstrahlung. Sentinel-5 und Sentinel-6 messen die Ozeanoberflächentemperatur und bestimmen zentimetergenau die Meeresoberflächen.

Die im Rahmen von Copernicus gewonnenen Daten stehen der Welt kostenfrei zur Verfügung. Wir wissen durch diese Satellitendaten, was die Erde atmet. Wir wissen durch sie aber auch, wie wir unseren Heimatplaneten schützen müssen, damit wir weiter auf diesem atmen können.

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